Geprüft am 03. Oktober 2026
Direktvermarktung wird ab 2027 Standard für neue PV-Anlagen: wie der Börsen-Stromverkauf funktioniert, was Dienstleister kosten.
Bei der Direktvermarktung verkaufst du deinen Überschussstrom an der Strombörse, statt ihn für die feste Einspeisevergütung (aktuell 7,70 ct/kWh bis 10 kWp) an den Netzbetreiber abzugeben. Das machst du praktisch nie selbst, sondern über einen Direktvermarkter, der viele kleine Anlagen bündelt. Bei der klassischen Einspeisevergütung nimmt der Netzbetreiber deinen Solarstrom dagegen einfach ab und zahlt den festen Satz.
Bisher war das für Eigenheim-Anlagen ein Nischenthema (Pflicht erst ab 100 kW). Das ändert sich: Die geplante EEG-Novelle 2027 macht die Direktvermarktung schrittweise zum Standardmodell für Neuanlagen. Wer die Grundlagen jetzt versteht, entscheidet besser.
In der Praxis läuft die Direktvermarktung in vier Schritten ab: Vertrag mit einem Direktvermarkter, intelligentes Messsystem, Verkauf über den Vermarkter am Spotmarkt und bei geförderten Anlagen die Marktprämie obendrauf.
Stichtag 31.12.2026: Feste Vergütung nur noch für Anlagen, die dieses Jahr ans Netz gehen
Die EEG-Novelle ersetzt die 20-Jahres-Vergütung für Neuanlagen ab 2027. Von der Angebotsanfrage bis zur Inbetriebnahme vergehen typisch 8–16 Wochen. Wer den Bestandsschutz will, sollte jetzt vergleichen.
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Du bekommst den Marktwert Solar, der in den letzten Jahren grob zwischen 3 und 8 ct/kWh lag, und zahlst dem Dienstleister dafür typischerweise 5–15 € im Monat oder einen Erlösanteil.
Erlösseite: Der Marktwert Solar schwankt stark (in den letzten Jahren grob zwischen 3 und 8 ct/kWh, in Einzelmonaten darüber). Sonnenreiche Monate drücken ihn (viel Solarstrom gleichzeitig = niedrige Preise), Wintermonate liegen höher.
Kostenseite: Dienstleister verlangen für Kleinanlagen typischerweise feste Monatsgebühren (ca. 5–15 €) oder einen Erlösanteil. Genau deshalb lohnte sich Direktvermarktung für 10-kWp-Anlagen bisher selten, die Gebühr fraß den Mehrerlös auf.
Warum sich das ändert:
Der Entwurf führt die Direktvermarktung stufenweise ein: 2027 gibt es eine Übergangszahlung noch für Anlagen unter 50 kW, 2028 unter 25 kW, 2029 unter 7 kW, ab 2030 gilt Direktvermarktung von Anfang an. Nach der vom Kabinett am 29.07.2026 beschlossenen Novelle (liegt dem Bundestag als Drs. 21/7867 vor) gilt für Neuanlagen ab 2027:
| Inbetriebnahme | Übergangszahlung möglich für | Danach |
|---|---|---|
| 2027 | Anlagen unter 50 kW | Direktvermarktung |
| 2028 | Anlagen unter 25 kW | Direktvermarktung |
| 2029 | Anlagen unter 7 kW | Direktvermarktung |
| ab 2030 | : | Direktvermarktung von Anfang an |
Die Übergangszahlung (ca. 5,2 ct/kWh, maximal 36 Monate ab Inbetriebnahme, ab 08/2027 halbjährlich −1 %) ersetzt die bisherige feste Vergütung und gibt Zeit, den Wechsel in die Direktvermarktung vorzubereiten. Balkonkraftwerke sind ausgenommen. Bestandsanlagen (Inbetriebnahme bis 31.12.2026) behalten dauerhaft ihre klassische Einspeisevergütung.
Rechne mit dem Marktwert Solar, nicht mit dem Börsenhöchstpreis. Der Marktwert Solar ist der monatliche Durchschnittserlös von Solarstrom an der Börse und liegt systematisch unter dem allgemeinen Strompreis, weil alle Anlagen gleichzeitig einspeisen. Modellrechnung für eine 10-kWp-Anlage mit 6.650 kWh Einspeisung im Jahr:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Marktwert Solar, angenommen 5,0 ct/kWh | 333 € |
| Direktvermarktungsbonus 1,5 ct/kWh (§ 50c, 48 Monate) | 100 € |
| Gebühr Direktvermarkter, 2 bis 5 € pro Monat | minus 24 bis 60 € |
| Messstellenbetrieb intelligentes Messsystem, Mehrkosten | minus 20 bis 50 € |
| Netto pro Jahr | ca. 320 bis 390 € |
Solange der Bonus läuft, liegt die Direktvermarktung damit in der Größenordnung der Übergangszahlung von 5,2 ct/kWh. Nach Ablauf der 48 Bonusmonate sinkt der Erlös auf etwa 250 bis 290 € und schwankt mit dem Markt. Die Zahlen sind eine Modellrechnung mit heutigen Marktwerten, keine Prognose. Wie viel Überschuss bei deinem Verbrauch überhaupt anfällt, zeigt der Ersparnisrechner.
Fünf Punkte entscheiden über den Netto-Erlös:
Frag beim Angebot für die Anlage direkt mit ab, ob der Betrieb später direktvermarktungsfähig ist, also fernsteuerbar und mit offener Schnittstelle. Nachrüsten ist teurer als mitbestellen.
Beides arbeitet mit Börsenpreisen, aber in unterschiedliche Richtungen: Die Direktvermarktung betrifft den Strom, den du verkaufst, ein dynamischer Tarif den Strom, den du kaufst. Beides setzt ein intelligentes Messsystem voraus und ergibt in Kombination den größten Effekt, weil du günstig beziehen kannst, wenn der Preis niedrig ist, und teuer verkaufst, wenn er hoch ist. Mehr dazu im Ratgeber Dynamische Stromtarife mit PV.
Für die typische Eigenheim-Anlage mit fester Vergütung lohnt sich der Umstieg meist noch nicht, die 20 Jahre Festpreis-Garantie ist bequem und risikolos, und bei 70 % Einspeisung einer 10-kWp-Anlage geht es um überschaubare Beträge. Interessant wird es für:
Häufige Fragen
Nein. Auch in der Direktvermarktung übernimmt das ein spezialisierter Dienstleister (Direktvermarkter), der tausende Anlagen bündelt und am Spotmarkt verkauft. Du schließt nur einen Vertrag und brauchst ein intelligentes Messsystem, der Rest läuft automatisch.
Für Anlagen ab 100 kW installierter Leistung (seit 2014). Kleinere Anlagen können freiwillig wechseln. Nach dem EEG-2027-Entwurf wird Direktvermarktung für Neuanlagen schrittweise zum Standard: ab 2027 nach einer Übergangszahlung von ca. 5,2 ct/kWh (max. 36 Monate), ab 2030 von Anfang an.
Den Marktwert Solar, den Durchschnittserlös von Solarstrom an der Börse, zuletzt je nach Monat grob 3–8 ct/kWh, abzüglich der Dienstleistergebühr. Bei geförderten Anlagen gleicht die Marktprämie die Differenz zum anzulegenden Wert aus. Der geplante Direktvermarktungsbonus (1,5 ct/kWh, 4 Jahre, Anlagen unter 25 kW) soll die Kosten des Umstiegs abfedern.
Nichts. Der Bestandsschutz im EEG-Novellen-Entwurf ist eindeutig: Anlagen mit Inbetriebnahme bis zum 31.12.2026 behalten ihre feste Einspeisevergütung über die vollen 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr. Die neuen Direktvermarktungs-Regeln gelten nur für Neuanlagen.
Ja: ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) für die viertelstundenscharfe Abrechnung und in der Regel Fernsteuerbarkeit der Anlage. Beides wird durch Smart-Meter-Rollout und Solarspitzengesetz ohnehin zum Standard bei Neuanlagen. Ein Speicher ist keine Pflicht, macht die Vermarktung aber deutlich lukrativer.
Weitere Themen: Solar-Angebote, Solar-Rechner, Förderung 2026.
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Andreas Mali
Gründer & Redaktion PhotovoltaikGenie
Andreas Mali ist Gründer von PhotovoltaikGenie und recherchiert Förderprogramme, Einspeisevergütung und Marktpreise fortlaufend aus Primärquellen (Bundesnetzagentur, KfW, Landesförderbanken). Mehr über uns & unsere Methodik
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