30 kWp Photovoltaikanlage: Kosten, Ertrag und warum die Grenze magisch ist
30 kWp PV-Anlage: 30.000–40.000 € Kosten, ca. 28.500 kWh Ertrag – und die wichtigste Steuergrenze im EEG: 0 % MwSt und Einkommensteuerfreiheit enden hier. Alle Regeln.
Einkommensteuerbefreiung aller Erträge (§ 3 Nr. 72 EStG) – keine EÜR, keine Anlage G
Keine Gewerbesteuer-Thematik, vereinfachte Anmeldung
Ab 30,1 kWp wird es bürokratisch: Einnahmen werden einkommensteuerpflichtig, die Umsatzsteuer-Frage kommt zurück, und je nach Konstellation wird ein Gewerbe fällig. Deshalb planen viele Bauherren exakt „bis an die Kante" – üblich sind 29,5–29,9 kWp.
Wichtig: Die Grenze gilt pro Wohn-/Gewerbeeinheit (bei Mehrfamilienhäusern 15 kWp je Einheit, max. 100 kWp je Steuerpflichtigem) und bezieht sich auf die Modulleistung laut Marktstammdatenregister.
Eckdaten einer 30-kWp-Anlage
Kosten (schlüsselfertig, 0 % MwSt): ca. 30.000–40.000 € ohne Speicher (~1.000–1.350 €/kWp)
Jahresertrag: ca. 28.500 kWh (Bundesschnitt), Süden bis 32.000+
Dachfläche: ca. 150–195 m² – Scheunen, Hallen, große Walmdächer, MFH
1. Mehrfamilienhaus-Eigentümer: Kombination aus Allgemeinstrom, Mieterstrom oder Gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung und Einspeisung – die stärkste Rendite, aber auch die komplexeste Umsetzung.
2. Hofstellen & Selbstständige: Werkstatt, Kühlung, Maschinen – wer tagsüber 8.000+ kWh verbraucht, erreicht Amortisationszeiten von 5–7 Jahren. Beispiel: 35.000 € Anlage, 12.000 kWh Eigenverbrauch + 16.500 kWh Einspeisung ≈ 5.480 €/Jahr.
3. Volleinspeiser mit Riesendach: 3.100 €/Jahr garantiert über 20 Jahre bei minimaler Eigenkapitalrendite-Anforderung – solange es den Bonus noch gibt: Nach dem EEG-2027-Entwurf entfällt er für Neuanlagen, und die Übergangszahlung gilt 2027 nur noch für Anlagen unter 50 kW, ab 2028 unter 25 kW. 30-kWp-Projekte gehören deshalb 2026 ans Netz.
Planungs-Hinweise
Netzanschluss: Bis 30 kWp gilt das vereinfachte Verfahren (§ 8 Abs. 6 EEG: Zusage gilt als erteilt, wenn der Netzbetreiber nicht binnen eines Monats reagiert). Trotzdem früh anfragen – ggf. ist ein Zählerschrank-Umbau nötig.
Direktvermarktung optional: Pflicht erst ab 100 kW; freiwillig kann sie sich bei hoher Einspeisung lohnen (Direktvermarktungs-Guide).
Wechselrichter & Strings: 2–3 Wechselrichter oder ein 25–30-kW-Gerät; bei komplexen Dächern Leistungsoptimierer erwägen (Wechselrichter-Vergleich).
Versicherung nicht vergessen: Ab dieser Größenordnung gehört die Anlage explizit in die Gebäude- oder eine eigene PV-Versicherung.
Oberhalb von 30 kWp (pro Einheit) entfallen Nullsteuersatz und Einkommensteuerbefreiung: Einnahmen müssen versteuert werden (EÜR/Anlage G), und die Umsatzsteuer-Wahl (Regelbesteuerung mit Vorsteuerabzug vs. Kleinunternehmer) kommt zurück. Deshalb planen die meisten privaten Bauherren bewusst knapp unter 30 kWp.
Was kostet eine 30-kWp-Anlage?
Schlüsselfertig ca. 30.000–40.000 € ohne Speicher – der Preis pro kWp fällt durch Skaleneffekte auf etwa 1.000–1.350 €. Bis exakt 30 kWp gilt noch der Nullsteuersatz; darüber kämen 19 % MwSt hinzu (mit Vorsteuer-Optionen). Ein Speicher (20–30 kWh) kostet zusätzlich 14.000–25.000 €.
Wie viel bringt eine 30-kWp-Anlage pro Jahr?
Rund 28.500 kWh Strom. Bei reiner Volleinspeisung ca. 3.100 € garantiert pro Jahr (Mischsatz ~10,9 ct, ab 08/2026). Mit hohem Tagesverbrauch (Gewerbe, MFH-Allgemeinstrom) sind 4.500–5.500 € Jahresnutzen und Amortisation in 5–7 Jahren realistisch.
Zählt die 30-kWp-Grenze pro Person oder pro Gebäude?
Pro Wohn- bzw. Gewerbeeinheit: Beim Einfamilienhaus 30 kWp, beim Mehrfamilienhaus 15 kWp je Wohneinheit – gedeckelt auf 100 kWp pro Steuerpflichtigem über alle Anlagen. Maßgeblich ist die im Marktstammdatenregister eingetragene Modulleistung.
Sollte ich ein 30-kWp-Projekt noch 2026 umsetzen?
Ja, wenn möglich: Bei Inbetriebnahme bis 31.12.2026 sichert der Bestandsschutz die aktuelle Vergütung (inkl. Volleinspeiser-Bonus) für 20 Jahre. Der EEG-2027-Entwurf streicht den Volleinspeiser-Bonus für Neuanlagen und gewährt die Übergangszahlung 2027 nur Anlagen unter 50 kW, ab 2028 nur noch unter 25 kW – die Konditionen werden also spürbar schlechter.