Geprüft am 18. September 2026
Mieterstrom erklärt: Solarstrom vom Mehrfamilienhaus-Dach mit 2,54 ct/kWh Zuschlag, mind. 10 % unter Grundversorgung, plus die einfachere Alternative.
Beim Mieterstrom-Modell erzeugt eine PV-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus Strom, den die Bewohner direkt beziehen, der Betreiber bekommt dafür 2026 einen Zuschlag von 2,54 ct/kWh (bis 10 kWp) und muss den Strom mindestens 10 % unter dem Grundversorgungstarif anbieten. Der Strom fließt ohne Umweg über das öffentliche Netz. Der Betreiber (Vermieter, Dienstleister oder Genossenschaft) verkauft den Solarstrom an die Mieter und bekommt dafür den staatlichen Mieterstromzuschlag. Reststrom liefert er aus dem Netz dazu.
Die Eckdaten 2026:
Die ehrliche Antwort: Das klassische Mieterstrom-Modell ist anspruchsvoll. Der Betreiber wird energierechtlich zum Stromlieferanten, mit Messkonzept (Summenzähler + Unterzähler), Abrechnung, Lieferantenpflichten und Vertragsmanagement. Deshalb übernehmen das meist spezialisierte Dienstleister (Contracting), die einen Teil der Marge behalten.
Wann es funktioniert:
Rendite-Treiber: Der eigentliche Gewinn liegt weniger im Zuschlag als darin, Strom für ~10–12 ct Gestehung zu erzeugen und für 25–30 ct (10 % unter Grundversorgung) zu verkaufen.
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Die einfachere Alternative ist die „Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung" (§ 42b EnWG), die es seit dem Solarpaket I (2024) gibt, Solarstrom-Verteilung im Haus ohne Lieferantenpflichten: Der Betreiber liefert nur den PV-Strom nach einem vereinbarten Aufteilungsschlüssel, jeder Bewohner behält seinen normalen Stromvertrag für den Rest. Kein Mieterstromzuschlag, dafür drastisch weniger Bürokratie, für kleinere Häuser und WEGs oft die bessere Wahl.
Dritte Option für einzelne Mieter: das eigene Balkonkraftwerk, seit 2024 mit Rechtsanspruch gegenüber dem Vermieter (Details für Mieter).
Klassischer Mieterstrom lohnt ab 6–8+ Wohneinheiten und bringt hohe Bürokratie, die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung passt schon ab 2 Wohneinheiten mit mittlerem Aufwand, und das Balkonkraftwerk ist die Lösung für den einzelnen Mieter mit Balkon.
| Kriterium | Mieterstrom (klassisch) | Gemeinschaftl. Gebäudeversorgung | Balkonkraftwerk |
|---|---|---|---|
| Wer betreibt? | Vermieter/Dienstleister | Vermieter/WEG | einzelner Mieter |
| Bürokratie | hoch (Lieferantenstatus) | mittel | minimal |
| Förderung | Zuschlag 2,54 ct/kWh | keine (aber EEG-Vergütung für Überschuss) | 0 % MwSt, teils kommunale Zuschüsse |
| Mieter-Ersparnis | garantiert ≥ 10 % | je nach Vereinbarung | ~290 €/Jahr Eigenersparnis |
| Sinnvoll ab | 6–8+ Wohneinheiten | 2+ Wohneinheiten | 1 Person mit Balkon |
Die vom Kabinett am 29.07.2026 beschlossene EEG-Novelle 2027 will den Mieterstromzuschlag auf die Werte für Inbetriebnahmen ab 2023 einfrieren und oberhalb von 1 MW nur noch anteilig fördern. Zusätzlich ist seit Juni 2026 Energy Sharing gesetzlich verankert, das Teilen von Solarstrom über Gebäudegrenzen hinweg dürfte die Modelle mittelfristig weiter vereinfachen. Für Vermieter mit konkreten Plänen gilt daher wie bei allen PV-Projekten 2026: Wer noch dieses Jahr in Betrieb geht, sichert sich die aktuellen Konditionen.
Häufige Fragen
Für Anlagen bis 10 kWp, die zwischen Februar und Juli 2026 in Betrieb gehen: 2,54 ct/kWh (Bundesnetzagentur), gezahlt zusätzlich zum Verkaufserlös für jede an Mieter gelieferte Kilowattstunde. Größere Anlagen erhalten gestaffelt weniger, der Zuschlag sinkt halbjährlich um 1 % analog zur Einspeisevergütung.
Gesetzlich garantiert mindestens 10 % gegenüber dem örtlichen Grundversorgungstarif, in der Praxis oft 10–20 %. Mieter sind zudem nicht zur Teilnahme verpflichtet und können jederzeit beim eigenen Stromanbieter bleiben oder zurückwechseln.
Der Betreiber wird rechtlich zum Energieversorger: Er braucht ein Messkonzept mit Summen- und Unterzählern, übernimmt Abrechnung, Stromsteuer- und Meldepflichten und muss Reststrom beschaffen. Deshalb laufen die meisten Projekte über spezialisierte Mieterstrom-Dienstleister, die dafür einen Teil der Marge erhalten.
Bei der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (§ 42b EnWG, seit Solarpaket I 2024) wird nur der Solarstrom nach festem Schlüssel im Haus verteilt, jeder Bewohner behält seinen normalen Stromvertrag, der Betreiber hat keine Lieferantenpflichten. Es gibt keinen Mieterstromzuschlag, dafür minimalen Aufwand: für kleine Mehrfamilienhäuser und WEGs meist die attraktivere Lösung.
Ja, mit einem Balkonkraftwerk: Seit 2024 haben Mieter einen Rechtsanspruch auf Zustimmung (§ 554 BGB). Sets bis 2.000 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichter kosten 300–900 €, sparen rund 290 €/Jahr und amortisieren sich in unter 2 Jahren. Die schnellste Solar-Investition überhaupt.
Weitere Themen: Solar-Angebote, Solar-Rechner, Förderung 2026.
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Andreas Mali
Gründer & Redaktion PhotovoltaikGenie
Andreas Mali ist Gründer von PhotovoltaikGenie und recherchiert Förderprogramme, Einspeisevergütung und Marktpreise fortlaufend aus Primärquellen (Bundesnetzagentur, KfW, Landesförderbanken). Mehr über uns & unsere Methodik
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