Früher galt: Süd-Dach mit 30° Neigung ist Pflicht. Heute ist das überholt. Ein Ost-West-Dach ist bei vielen modernen Anlagen sogar wirtschaftlicher als ein reines Süddach. Das liegt an der Fokus-Verschiebung: Weg von der Einspeisevergütung, hin zum Eigenverbrauch.
Die Kernfakten:
Ost-West-Anlage: ca. 85 % Ertrag vs. optimales Süddach (im Jahresvergleich)
Dafür: Stromproduktion morgens und abends – genau dann, wenn der Haushalt Strom braucht
Höherer Eigenverbrauch gleicht den geringeren Gesamtertrag oft vollständig aus
Bei Flachdach: bis zu 40 % mehr Module möglich
Bei neueren Modulpreisen: Auch Nord-Dächer können lohnen
Ertragsvergleich: Süd vs. Ost-West
Jahresertrag einer 10-kWp-Anlage (typisch Deutschland)
Ausrichtung
Jahresertrag
Relativer Ertrag
Süd, 30° Neigung (Optimum)
9.500–10.500 kWh
100 %
Südost / Südwest
9.000–10.000 kWh
95 %
Ost-West (aufgeteilt)
8.000–9.000 kWh
85 %
Ost oder West einzeln
7.500–8.500 kWh
80 %
Nord
6.500–7.500 kWh
70 %
Tagesverteilung ist wichtiger als Gesamtertrag
Wichtiger als der Jahres-Gesamtertrag ist wann der Strom produziert wird:
Zeit
Süd-Anlage
Ost-West-Anlage
07:00 Uhr
wenig
Ost-Peak
12:00 Uhr
Hoch-Peak
mittel
17:00 Uhr
mittel
West-Peak
Die meisten Haushalte haben ihren höchsten Stromverbrauch morgens (vor der Arbeit) und abends (nach der Arbeit). Genau dann liefert die Ost-West-Anlage Strom – während die Süd-Anlage mittags Peak-Produktion hat, wenn kaum jemand zu Hause ist.
Ergebnis: Trotz 15 % weniger Ertrag bringt Ost-West in diesem Szenario mehr Geld – weil der Eigenverbrauch höher ist.
Vorteile des Ost-West-Dachs
1. Bessere Eigenverbrauchsquote
Strom dann, wenn ihn der Haushalt braucht.
2. Gleichmäßigere Stromproduktion
Weniger Mittagspeak, mehr Grundlast – entlastet das Stromnetz und verbessert die Einspeisekurve.
3. Mehr Module auf Flachdach
Bei Flachdach-Aufständerung: Ost-West erlaubt bis zu 40 % mehr Module als reine Südaufständerung, weil zwischen den Modulreihen weniger Verschattungs-Abstand nötig ist.
4. Weniger Lastspitzen-Probleme
Moderne Netze kämpfen mit Mittagsspitzen (hohe Einspeisung, niedrige Nachfrage). Ost-West-Anlagen entlasten das Netz.
5. Zukunftssicher für EEG 2027
Ab 2027 könnte ein 50 %-Einspeiselimit gelten. Ost-West-Anlagen überschreiten dieses seltener – Abregelung wird selten nötig.
Nachteile / Wann Süd doch besser ist
Süd ist besser, wenn:
Du viel einspeist (hoher Ertrag = höhere Einspeisevergütung)
Du einen großen Speicher hast, der Mittagsstrom für den Abend speichert
Deine Dachfläche nur nach Süden zeigt (keine Wahl)
Du eine Wärmepumpe hast, die mittags laufen kann
Ost-West ist besser, wenn:
Du morgens und abends hohen Stromverbrauch hast
Du keinen Speicher hast
Du ein Flachdach hast
Du sowieso eine Ost-West-Dach-Ausrichtung hast
Technische Besonderheiten von Ost-West-Anlagen
2 getrennte MPPT-Tracker nötig
Da Ost- und West-Seite zu unterschiedlichen Zeiten Peak haben, sollten sie separat optimiert werden. Ein Wechselrichter mit mindestens 2 MPPT-Trackern ist Pflicht.
Alternative: Mikro-Wechselrichter pro Modul – noch flexibler, aber teurer.
Flachere Neigung oft besser
Bei Ost-West-Anlagen sind 10–20° Neigung oft optimal, statt der klassischen 30°. Das verteilt die Ertragskurve gleichmäßiger über den Tag.
Modul-Anzahl anpassen
Da je Dachseite nur ~85 % Ertrag erzielt wird, lohnt es sich, mehr Module zu installieren als bei Süd-Lösung. Der Mehrpreis für Module ist gering, der Mehrertrag relevant.
Was ist mit reiner Ost- oder West-Ausrichtung?
Wenn nur eine Dachseite verfügbar ist:
Ost oder West allein: ca. 80 % Ertrag, ähnlicher Eigenverbrauchsvorteil
Morgens (Ost) oder Abends (West) passen zu typischen Haushaltslastprofilen
Immer noch wirtschaftlich, aber weniger attraktiv als Ost-West
Nord-Dach: Geht das auch?
Überraschung: Ja, oft doch. Dank gesunkener Modulpreise ist auch ein Nord-Dach in vielen Fällen wirtschaftlich:
Ertrag: ca. 70 % eines Süd-Dachs
Amortisation: 12–16 Jahre (statt 8–12 beim Süddach)
Vorteil: Keine Hitzeschäden, längere Lebensdauer
Nicht ideal, aber möglich. Bei kompletten Hausabdeckungen (z. B. moderne Flachdach-Häuser mit Modulen auf allen Seiten) lohnt sich auch Nord-Besatz.
Fazit
Ost-West-Dächer sind 2026 oft die bessere Wahl als reine Süd-Ausrichtung. Der etwas geringere Gesamtertrag wird durch höheren Eigenverbrauch mehr als ausgeglichen – gerade bei normalen Haushalten ohne Speicher.
Unsere Empfehlung:
Süd-Dach vorhanden: perfekt, PV einbauen
Ost-West-Dach: Top, beide Seiten nutzen, mit 2-MPPT-Wechselrichter
Nur Ost ODER nur West: Immer noch lohnenswert
Nord-Dach: mit Vorbehalt – nur bei komplett bedeckten Häusern oder günstigen Bedingungen
Ja, in vielen Fällen sogar mehr als auf einem reinen Süddach. Ost-West-Anlagen produzieren morgens und abends Strom – genau wenn der Haushalt ihn braucht. Der Eigenverbrauchsanteil liegt typisch 10–15 Prozentpunkte höher. Trotz 15 % geringerem Jahresertrag ist die Wirtschaftlichkeit oft gleich oder besser.
Wie viel weniger Ertrag hat ein Ost-West-Dach gegenüber Süd?
Etwa 15 % weniger Gesamtertrag. Eine Süd-Anlage liefert 100 %, Ost-West liefert durchschnittlich 85 % des Spitzenertrags. Die Verteilung über den Tag ist jedoch gleichmäßiger: morgens und abends Peak statt Mittagspeak.
Brauche ich bei einer Ost-West-Anlage einen besonderen Wechselrichter?
Ja, du brauchst einen Wechselrichter mit mindestens 2 MPPT-Trackern, damit Ost- und West-Seite unabhängig optimiert werden. Alternativ funktionieren auch Mikro-Wechselrichter (1 pro Modul), die teurer sind, aber maximale Flexibilität bieten.
Welche Dachneigung ist bei Ost-West optimal?
Flachere Neigung (10–20°) ist bei Ost-West oft besser als die klassischen 30°. Das verteilt die Ertragskurve gleichmäßiger über den Tag und erhöht den Eigenverbrauchsanteil weiter. Bei Satteldächern mit fester 30–40° Neigung ist das aber ebenfalls gut wirtschaftlich.
Lohnt sich Photovoltaik auf einem Nord-Dach?
Überraschenderweise oft ja. Ein Nord-Dach liefert ca. 70 % des Süd-Ertrags. Dank gesunkener Modulpreise amortisiert sich auch eine Nord-Anlage – typisch in 12–16 Jahren (statt 8–12 beim Süd). Ideal bei kompletten Haus-Abdeckungen, wo jede verfügbare Fläche genutzt wird.
Wie viele Module passen auf ein Ost-West-Flachdach?
Bis zu 40 % mehr Module als bei reiner Süd-Aufständerung. Grund: Bei Süd-Aufständerung muss zwischen den Modulreihen ein Mindestabstand (Verschattung) eingehalten werden, der bei Ost-West-Kombination deutlich geringer ist. Das kompensiert den geringeren spezifischen Ertrag oft vollständig.